IG Metall Betzdorf kritisiert die Pläne zur Rente mit 70 auf das Schärfste

Die IG Metall fordert ein sofortiges Umsetzen des Rentenkonzeptes der IG Metall

  • 07.08.2022
  • Aktuelles, Betriebe

Die IG Metall Betzdorf kritisiert die Pläne von Arbeitgeberpräsident Stefan Wolf von Gesamtmetall zur Erhöhung des Renteneintrittsalters auf 70 Jahre als reinen Zynismus und einfallslos. „Diese Philosophie beinhaltet die Botschaft- Vorwärts in die Vergangenheit- “, kommentiert Uwe Wallbrecher 1.Bevollmächtigter und Geschäftsführer der IG Metall Betzdorf solcherlei Pläne und weist selbige entschieden zurück.

„Seit Jahrzehnten hören wir nichts anderes, als solch einen einfallslosen Unfug“, so Uwe Wallbrecher weiter. Diese angeblichen Rezepte führen zu nichts, außer zu einer weiteren Rentenkürzung und erheblichen Mehrbelastung für die sozialversicherten Beschäftigten. Sie tragen darüber hinaus nicht zur Lösung des wirklichen Problems bei.

Uwe Wallbrecher bezeichnet diese und weitere Äußerungen bezüglich einer Erhöhung der Wochenarbeitszeit auf 42 Stunden als reine Provokation und Zynismus. Anstatt gemeinsam mit den Beschäftigten nachhaltige Lösungen zu suchen, wie die wirklich großen dringenden Fragen und Aufgaben dieser Zeit beantwortet werden können, wird wieder einmal mehr einfallslos der Angriff auf den Sozialstaat organisiert und alle Probleme sollen, wenn es nach Herrn Wolf und anderen geht, alleinig auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen werden, und dass in einer Zeit, in der die Belastungen für einen Großteil der Bevölkerung täglich größer und größer werden und schon heute für viele nicht mehr aushaltbar sind.

Uwe Wallbrecher: „Wer den Rentenzugang mit 70 fordert, hat offensichtlich überhaupt keine Ahnung von der Wirklichkeit und hat wohl einen Arbeitsplatz, der weder körperliche, physischer noch psychischer Belastungen unterliegt“. Anders kann Wallbrecher solche herab würdigende und respektlose Forderungen nicht deuten. Herr Wolf und andere mögen bitte ein einziges Mal etwas zu Ende denken, bevor wieder solch ein Unfug von der Bühne  gelassen wird.

Wallbrecher weist zum wiederholten Male daraufhin, was die IG Metall an Rentenkonzepten seit Jahren hat und fordert. Dieses sieht u.a. den Ausbau zu einer solidarischen Erwerbstätigen-versicherung vor, was bedeutet, dass perspektivisch alle Erwerbstätigen, darunter auch zukünftige Beamte, Abgeordnete, Politiker*innen und Unternehmer*innen in die gesetzliche Rente einzahlen müssen, um selbige stabil attraktiv und nachhaltig für alle zu sichern.

Die Finanzprobleme der Sozialsysteme sind zum großen Teil durch die Unternehmen selbst verursacht und hausgemachte Probleme, fügt Wallbrecher in Richtung Herrn Wolf hinzu. „Wir sehen und hören fast jeden Tag, auch hier in unserer Region, das gut bezahlte Arbeitsplätze Verlagerungsplänen unterliegen, was dann durch den Personalabbau und das Outsourcing wiederum für massive Arbeitsverdichtung bei den verbleibenden Menschen sorgt. Beitragszahler*innen arbeiten so nicht mehr in den Bereichen,  da tariflich abgesicherte Arbeitsplätze ins Ausland verlagert wurden und hier schlicht die Beiträge fehlen und in der Regel auch nicht mehr wiederkommen. Das sind große Verluste an Wertschöpfung und Know-how in unserer Region. Das dürfen wir nicht weiter dulden.

Zur Finanzierung und Unterstützung der aktuellen Finanzlage müsse es jetzt darum gehen solidarische Lösungen zu finden. Vermögende müssen endlich stärker zur Finanzierung gesellschaftlicher Aufgaben herangezogen werden. Aktuell gehört dazu die Einführung einer Übergewinnsteuer, Sondersteuer auf „ Windfall- Profits“, da viele Unternehmen ohne eigene betriebswirtschaftliche Leistungssteigerung ihre Profite alleinig auf Kosten der Verbraucher*innen gesteigert haben.

Wallbrecher weiter: „ Starke Schultern müssen mehr tragen, um Probleme zu lösen. Auch müssen wir dringender denn je Arbeitsbedingungen und Entgelte verbessern“. Er deutet auf die anstehende Tarifrunde in der Metall und Elektroindustrie hin und fordert Herrn Wolf auf,die Forderung von 8 % sehr ernst zu nehmen. Auch müsse die zuletzt deutlich reduzierte Anzahl von qualifizierten Ausbildungsplatzangeboten in unserer Region durch die Unternehmenden deutlich gesteigert werden.

Freilich gibt es auch Unternehmen, welche Parallel zu den Verlagerungen attraktive Ersatzarbeitsplätze schaffen und mit Innovation, Herz, Bauch und Verstand an neuen Produkten forschen und entwickeln,räumt Wallbrecher ein und belobigt diese ausdrücklich. Leider setzen das nur einige wenige Unternehmen um. Der große Teil sieht seine Zukunft in der Verlagerung und dem Outsourcing von Arbeitsplätzen, um dann mit Dumping Löhnen den Konkurrenzkampf unter den Unternehmen in Sachen Entgeltabbau und somit Sozialkassenabbau weiter zu schüren und sich am Ende über das nicht Funktionieren von Lieferketten zu beklagen.

Auch haben offensichtlich einige Unternehmensvertreter sehr schnell vergessen, dass gerade unser Sozialstaat in den vergangenen Krisen den Unternehmen in sehr vielen Fällen über die Runden geholfen hat. Nur die Möglichkeit der Kurzarbeit war hilfreich und nachhaltig für so manch ein Unternehmen und heute wollen viele davon nichts mehr wissen, so Wallbrecher weiter.

Zum Schluss richtet Wallbrecher seinen Appell an alle: Arbeitsbedingungen müssen in allen Bereichen, auch z.B. in der häuslichen Pflege, in den Krankenhäusern schnell erleichtert und verbessert werden, um Attraktivität zu erzeugen, unseren Kindern und Enkelkindern eine Zukunft aufzuzeigen. Attraktive qualifizierte Ausbildungsplätze anbieten ist das Gebot der Stunde, die jungen Menschen sind unserer Zukunft. Ein Rückfall in neoliberale Zeiten und Rezepte aus den 80ziger oder 90ziger Jahren zur Rente oder der Arbeitszeit bringt uns alle nicht weiter und wirkt kontraproduktiv.